Die IG Engpassbeseitigung begrüsst in ihrer Vernehmlassungsantwort zur Bundesratsvorlage «Verkehr ’45» die verkehrsträgerübergreifende Infrastrukturplanung sowie die Dringlichkeitseinstufung von drei Ostschweizer Projekten, namentlich der 3. Röhre Rosenbergtunnel inklusive Zubringer Güterbahnhof. Entscheidend ist jedoch die zeitliche Staffelung: Da die bestehenden Tunnelröhren 2040 das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, müssen sie ab 2037 umfassend saniert werden. Bereits für die Sanierung hätte eine jahrelange Tunnelsperrung ohne vorherige Erstellung oder Fertigstellung der 3. Röhre verheerende Konsequenzen auf den städtischen Verkehr und das insbesondere auch auf die Abwicklung der für Region und Stadt wichtigsten Grossanlässe OLMA, OFFA, Circus KNIE und die Jahrmärkte. Auch nach der Sanierung wäre das städtische Verkehrsnetz ohne Engpassbeseitigung permanent überlastet.
Montag, 12. Oktober 2026
Dringender Handlungsbedarf und zeitliche Priorisierung bis 2040
Dass der Bundesrat der 3. Röhre Rosenbergtunnel inklusive Zubringer Güterbahnhof höchste
Priorität einräumt, ist politisch und sachlich richtig. Bei den Bundesinvestitionen in die Nationalstrassen ist die Ostschweiz seit Jahrzehnten im Hintertreffen: Seit 1990 flossen lediglich 2.6 Prozent der Investitionsbeiträge in die Kantone St.Gallen, Thurgau und beide Appenzell, obwohl dort gut ein Zehntel der Schweizer Bevölkerung lebt. Umso bedauerlicher ist, dass die Vorlage «Verkehr ’45» bis 2045 keine verbindliche zeitliche Priorisierung vorsieht. Die beiden 1987 eröffneten Rosenberg-Röhren erreichen 2040 das Ende ihrer Lebensdauer und müssen gemäss ASTRA ab 2037 umfassend saniert werden. Ohne Fertigstellung der 3. Röhre bis spätestens 2040 droht bei den Tunnelsperrungen angesichts knapp 90’000 Fahrzeugen pro Werktag eine massive Verkehrsverlagerung – mit gravierenden, nicht hinnehmbaren Folgen für das kantonale und städtische Strassennetz, den öffentlichen Verkehr, die regionale Wirtschaft, die Rettungsdienste und die Abwicklung von Schlüsselanlässen wie OLMA, OFFA,
weitere grössere Messen, Jahrmärkte und Circus KNIE.
Anschluss Güterbahnhof: zwingend nötiger Schlüssel zur Entlastung des überörtlichen
und innerstädtischen Verkehrs
Die IG Engpassbeseitigung betont in ihrer Vernehmlassungsantwort, dass die 3. Röhre allein
nicht ausreicht. Da über 80 Prozent des Verkehrs auf der N1 Ziel-, Quell- und Binnenverkehr
von und in die Stadt St.Gallen sind, ist die gleichzeitige Realisierung des Zubringers Güterbahnhof unverzichtbar. Er führt den Verkehr direkt unterirdisch in die Agglomeration, entlastet
das innerstädtische Strassennetz und verhindert Rückstaus an den N1-Anschlüssen. Laut Verkehrsmodell sinkt die Belastung im Quartierzentrum Riethüsli um rund 70 Prozent, auf der Oberstrasse um über 20 Prozent und auf der St. Leonhard-Brücke um 16 Prozent. Dadurch entsteht auch mehr Raum für Wohnen, Leben und den öffentlichen Verkehr. Sodann braucht es einen zweiten Anschluss und eine Knotenergänzung sowie eine Ergänzung der St. Leonhard-Brücke um eine weitere Fahrspur. Der Anschluss in die Innenstadt ist dringend erforderlich, um das städtische Verkehrsnetz vor einem Verkehrskollaps zu bewahren und daraus resultierende zeitweilige Sperrungen der Autobahnzufahrten zu vermeiden.
OLMA, OFFA, weitere grössere Messen, Jahrmärkte und Circus Knie vor allergrössten
Herausforderungen
Müsste während der bis 2040 zwingend erforderlichen Sanierung des Rosenbergtunnels eine
der beiden bestehenden Röhren gesperrt werden, ohne dass die dritte Röhre gebaut oder
fertiggestellt ist, hätte dies gravierende Folgen für diejenigen Grossanlässe, die für Stadt und
Region von zentraler Bedeutung sind. Betroffen wären die OLMA, die OFFA sowie weitere
Messen und Events – nicht nur während den Anlässen selbst, sondern auch während der Aufund Abbauzeiten mit zahlreichen Last- und Lieferwagen. Ebenso beeinträchtigt wären die von
der Stadt organisierten Jahrmärkte im Frühling und Herbst sowie das traditionelle Gastspiel
des Circus Knie.
Was geschieht, wenn die Sonnenstrasse dauerhaft für den Verkehr geöffnet bleiben muss?
Wie sollen all diese Grossanlässe noch durchgeführt werden, wenn sich täglich zusätzlich
40’000 bis 45’000 Fahrzeuge durch die Stadt St.Gallen, am Messegelände und am SpelteriniPlatz vorbeizwängen?
Breiter demokratischer Rückhalt und schlüssige Gesamtschau
Sowohl die dritte Röhre des Rosenbergtunnels als auch der Zubringer Güterbahnhof geniessen in der Ostschweizer Bevölkerung und Politik breiten Rückhalt. Die Stimmbevölkerung aller
fünf Ostschweizer Kantone sagte im November 2024 deutlich Ja zum Ausbau der Nationalstrassen. Zudem überwies der St. Galler Kantonsrat das Standesbegehren zum Projekt mit
80 zu 25 Stimmen, und die Kantonsparlamente von Thurgau, Schaffhausen und beider Appenzell stimmten dem Projekt ebenfalls zu.
Die IG Engpassbeseitigung begrüsst, dass der Bund eine Gesamtschau verfolgt und weitere
regionale Schlüsselvorhaben einbezieht: den Lückenschluss der Zürcher Oberlandautobahn
(N15) in Abstimmung mit dem Stadttunnel Rapperswil-Jona, die zweite Röhre des Fäsenstaubtunnels (N4), die Umfahrung Wilen (N25) sowie die dringliche Einstufung der Umfahrung Amriswil Nord mit Anbindung Romanshorn (N23). So lassen sich die Entwicklungsdynamik und die volkswirtschaftlichen Bedürfnisse der gesamten Region berücksichtigen.
Die IG Engpassbeseitigung unterstützt die verkehrsträgerübergreifende Stossrichtung von
«Verkehr ’45» ausdrücklich, fordert jedoch zur Vermeidung eines Verkehrskollapses im Raum
St.Gallen und zur Vermeidung von negativen Auswirkungen auf die ganze Region eine rasche
und prioritäre Umsetzung der Ostschweizer Projekte bis spätestens 2040.

